Sprachkurse für ukrainische Geflüchtete gestartet

Dank unkomplizierter und großzügiger Hilfe möglich

Seit dem Beginn des Krieges in der Ukraine ist die Hilfsbereitschaft in Finsterwalde ungebrochen. Zahlreiche Familien haben ukrainische Gäste in ihren Häusern und Wohnungen aufgenommen, viele Sach- und Geldspenden wurden und werden weiterhin an das Ukrainenetzwerk Finsterwalde übergeben, das das zivilgesellschaftliche Engagement in Finsterwalde koordiniert. Nachdem alle Geflüchteten untergebracht und mit dem Wichtigsten versorgten waren, kam schnell der Wunsch nach Beschäftigung auf. Im gemeinsamen Treffpunkt der Ukrainerinnen und Ukrainer, der im alten Speisesaal der ehemaligen Gaststätte Hampicke mit der Spendensammelstelle eingerichtet worden war, entstanden die ersten Ideen.

Vor allem das Zusammenkommen und der gegenseitige Austausch sind den Menschen wichtig, um sich in Finsterwalde ein Stück weit zu Hause zu fühlen. Die Kinder sollen schrittweise auf den Besuch von Kindergarten und Schule vorbereitet werden, die Erwachsenen versuchen ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt auszuloten. Für all diese Vorhaben ist das Erlernen der deutschen Sprache unabdingbar.  Zwei Angebote, die das Ukrainenetzwerk innerhalb kürzester Zeit erreichten, ebneten den Weg für die Lösung dieses Problems.

Der Verein der Freunde und Förderer des Sängerstadt Kultur-, Kunst- und Kongresszentrums e.V. (kurz: Kulturfreunde Finsterwalde) stellte ein hochkarätiges Benefizkonzert auf die Beine, um die notwendigen finanziellen Mittel zur Beschaffung von Materialien zu sammeln. Viele Finsterwalder Musizierende und das Chor Collegium Cantorum boten dem Publikum am 3. April in der Trinitatiskirche ein wunderbares Konzert. „Wir verlassen uns auf die bereits bekannte Großzügigkeit in der Sängerstadt und hoffen, mit diesem Konzert insgesamt 10.000 Euro für die Finanzierung der Sprachkurse einwerben zu können“, sagte der Vereinsvorsitzende Nassib Ahmadieh im Vorfeld. Nur wenige Tage später konnte dieses ambitionierte Ziel erfüllt werden. Schon vor dem Konzert waren Spenden auf dem Konto der Trinitatiskirchengemeinde eingegangen, das das Ukrainenetzwerk dankenswerter Weise nutzen und so einiges an Bürokratie einsparen kann. So konnte bereits am Tag nach dem Konzert die Herstellung der Lernhefte beginnen. Dass die Stückzahl zwei Mal erhöht werden musste und RCS in Massen an die Grenze der Papierkapazitäten brachte, war ein erfreulicher Stressfaktor. Die Druckerei Wilkniß legte eine Sonderschicht ein, um alle Hefte pünktlich fertigzustellen.

Die Zeit drängte dennoch, denn am Mittwoch (drei Tage nach dem Benefizkonzert!) sollte um 9 Uhr morgens der Unterricht beginnen. Also werkelten zahlreiche Helferinnen und Helfer unter fast schon gewohntem Zeitdruck. Auch die ukrainischen Gäste packten selbstverständlich mit an. Insgesamt wurden in der ersten Woche der Kurse 150 Sprachlernhefte, Stifte, Blöcke und Musikinstrumente beschafft.  Die erste Klasse der Grundschule Sonnewalde überbrachte ebenfalls Schulmaterialien, die sie spendeten. Von den Spendengeldern wird außerdem die Aufwandsentschädigung für die Unterrichtenden gezahlt. Eine besonders knifflige Aufgabe für das Ukrainenetzwerk stellte das Erstellen des Stundenplans dar: Wer wird wann unterrichtet? Wer hat Kinder, die zur gleichen Zeit betreut werden müssen? Passt die Altersstruktur im Kurs? Am Ende standen sechs Kurse, davon vier für Erwachsene und zwei für Kinder.

Die Frage nach dem „Wo?“ war glücklicherweise bereits vor dem Benefizkonzert beantwortet worden. Die Stadt Finsterwalde bot Platz in der ehemaligen Schule am Langen Damm an. Die Räume der ehemaligen Außenstelle, in der bis 2020 noch Büros der Stadtverwaltung untergebracht waren, die wegen der Sanierungsarbeiten im Schloss zur Überbrückung genutzt wurden, sind ideal: Sie haben Klassenzimmergröße, Toiletten sind ebenfalls auf dem Gang vorhanden, das WLAN funktioniert. Nach dem erfolgreichen Benefizkonzert wurden also die alten Schulmöbel, die sich noch im Keller befanden nach oben getragen und die neuen „Klassenräume“ eingerichtet.

Ein Glücksfall: Unter den Geflüchteten sind eine Grundschullehrerin für Deutsch und eine Musikpädagogin, die den ukrainischen Kindern ebenfalls Unterricht geben werden. Die Mischung aus Deutschlernen und Musizieren soll ihnen den Wiedereinstieg in den „Alltag“ dabei so angenehm wie möglich machen. 

Als am Mittwoch, den 6. April, um 9 Uhr die ersten Kurse begannen stand auf den Gesichtern der meisten Helfer immer noch ein Rest des großen Staunens geschrieben: Innerhalb von drei Tagen war es gelungen, diese kleine „Übergangsschule“ einzurichten. Dank unkomplizierter Hilfe dank zahlloser großzügiger Sponsoren. Herzlichen Dank! Дуже дякую!